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Ständig verfügbar, einfach und transparent

Erstes ExpertInnengespräch des Projektes „Digitalisierung der Ökonomie und neue Geschäftsmodelle“

 

Frank Bsirske (links) und Kurt Beck im Expertengespräch.

Einzelne Geschäftsmodelle verdeutlichten am 11. Mai 2016 im ersten ExpertInnengespräch der Friedrich-Ebert-Stiftung die bedeutenden Fortschritte der Digitalisierung der Wirtschaft. Es war die erste Veranstaltung des Projektes „Digitalisierung der Ökonomie und neue Geschäftsmodelle“, dessen fachwissenschaftliche Betreuung das INEP Institut übernommen hat.


Insgesamt drei Praxisbeispiele dienten zur Charakterisierung der Entwicklungen. Die Präsentation über die Arbeit eines großen europäischen Softwareherstellers verdeutlichte, wie das Unternehmen auf die Produktionsprozesse der Betriebe Einfluss nimmt, welche die Programme nutzen. Dabei kooperieren die Akteure eng miteinander. Das Softwareunternehmen steuert Produktions-, Vermarktungs- und Verwaltungsprozesse digital. Es kontrolliert, wartet, repariert und optimiert. Über diese Kooperationen entstehen Geschäftsnetzwerke zwischen Unternehmen, die Plattformen gemeinsam nutzen und große Datenmengen in Echtzeit für ihre betrieblichen Zwecke auswerten. Die neuen Möglichkeiten der digitalen Steuerung und Kontrolle stellen hohe Anforderungen an alle beteiligten Unternehmen. Diese reagieren darauf mit betriebsinternen Aus- und Weiterbildungen. Diese Angebote und der experimentelle Charakter der modernen Arbeit erhöhe wiederum die Zufriedenheit der Beschäftigten.


Das zweite Beispiel des ersten ExpertInnengesprächs war das eines Online-Brillengeschäfts. Dieses profitiert in erster Linie von den günstigen Preisen, zu denen es sein vorrangig in Ostasien produziertes Sortiment anbieten kann. Das 2006 gegründete Unternehmen möchte den aus seiner Sicht intransparenten Brillenmarkt liberalisieren. Eine Besonderheit des Brillengeschäfts ist es, das es zunächst keine Optiker beschäftigte. Die Kenntnis der Ware war kein entscheidendes Kriterium. Innovativ und engagiert sollten die Beschäftigten sein. Fachliche Expertise wird im Bedarfsfall hinzugezogen.
Als drittes diskutierten die TeilnehmerInnen private, internetbasierte Weiterbildungsangebote, auf die ArbeitnehmerInnen immer häufiger zurückgreifen. Suchalgorithmen ermöglichen einen schnellen Zugriff auf Angebote, die zum eigenen Kompetenzprofil passen. Diese Vielzahl an Kursen und möglichen Qualifikationen stellt bekannte Zuständigkeiten in der Aus- und Weiterbildung in Frage. National begrenze Zertifizierungen stehen einer grenzenlosen Onlinewelt gegenüber.


Mit der Digitalisierung gehen massive Machtverschiebungen einher. Daher löst sie zutiefst politische Fragestellungen aus. Das war die Grundthese bei der Behandlung dieses Themas. Politik müsse sich daher darauf konzentrieren, diese Wandlungsprozesse im Sinne der Förderung des Gemeinwohls gestaltbar zu machen. Vier „Effekte“ sollten dabei im Mittelpunkt stehen: Machtkonzentrationen, Netzwerkbildungen, Kontrollverluste des Individuums und die Problematik der Drittbetroffenheit.


Insgesamt hat die Veranstaltung erhebliche Veränderungen aufgezeigt: Die neue Dienstleistungsorientierung der digitalen Wirtschaft, ein Startup, deren Stärken Einfachheit, Transparenz der Preisgestaltung und ständige Verfügbarkeit sind und ein großes Angebot an Bildungsmaßnahmen, das Beschäftigten und Unternehmen einen Zugang zu einer neuen Arbeitswelt ermöglicht.

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