„Debatten um nachhaltige Entwicklung in die Betriebe tragen“

Prof. Dr. Bernd Heins beantwortet Fragen zur SCU Business School

Prof. Dr. Bernd Heins, (Leiter des INEP Instituts)

 

Im kommenden September 2016 startet die SCU Business School in ihr erstes Semester. Der langjährige Leiter des Studienortes, des ver.di Bildungszentrums Mosbach, Harald Kielmann befragte den SCU-Initiator und Leiter des INEP Instituts Prof. Dr. Bernd Heins zum neuen Bachelorstudiengang Change Management.

 

Herr Prof. Heins, was sind die Schwerpunkte des Studiengangs, der zum Bachelor-Abschluss „Change Manager / BWL“ führt?

Die Globalisierung und die Nachwirkungen der Finanzkrise von 2007 bis 2009 bewirken einen immer härter werdender internationaler Wettbewerb um Märkte, Ressourcen und Standorte und erhöhen den Druck auf Unternehmen und Verwaltungen. Besonders der Klimawandel und die Notwendigkeit eines ökologisch nachhaltigen Umbaus der Industrie- und Informationsgesellschaft, der demographische Wandel und die damit einhergehende Alterung der Erwerbsbevölkerung sowie die zahlreichen daraus resultierenden sozialen Veränderungen, stellen die Wirtschaft vor tiefgreifende Herausforderungen. Hinzu kommen die Herausforderungen für die deutsche und europäische Gesellschaft, die sich aus der verstärkten Zuwanderung infolge der weltweiten Flucht- und Migrationsbewegungen ergeben.
Eine entscheidende Gruppe von Akteuren sind in vielen europäischen Ländern die gewählten ArbeitnehmervertreterInnen. Unter dem deutschen Mitbestimmungsmodell haben ArbeitnehmervertreterInnen zum Teil weitreichende Mitwirkungsmöglichkeiten im Bereich organisatorischer Veränderungen und bei bestimmten Organisationsformen wie zum Beispiel Aktiengesellschaften. Sie haben erheblichen Einfluss auf die unternehmerische Entscheidungsebene. Anknüpfend an die Debatte um lebenslanges und berufsbegleitendes Lernen will das INEP Institut mit der Gründung einer privaten Hochschule, der SCU, eine Lern- und Forschungsstätte schaffen, die ArbeitnehmerInnen und weiteren Interessierten die Möglichkeit bietet, berufsbegleitend einen weiterqualifizierenden Abschluss (B.A.) zu erlangen. Damit sollen auch Debatten um nachhaltige Entwicklung sowie soziale und ökologische Innovationen mit dem Ziel einer Transformation der Arbeitswelt in die Betriebe getragen werden.


Gibt es bisher denn keine Angebote in dieser Richtung?

Nein, die Verbindung von inhaltlichen Themen der Nachhaltigkeit mit Methoden des Change Managements ist innovativ. Und mit der Konzentration auf Menschen ab 40 mit Berufs- und Mitbestimmungserfahrungen kann der Studiengang sich auf die wertvolle Erfahrungswelt der Studierenden beziehen und eine handlungs- und praxisorientierte Qualifizierung bieten.
Das Studium an der SCU ist auch ohne Abitur möglich. Und Seminare, die bisher in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit erfolgreich besucht worden sind, können unter Umständen sogar angerechnet werden, ebenso wie bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen für Gewerkschaftsseminare ECTS-Punkte vergeben werden können.


Wie muss man sich das Studium an der SCU praktisch vorstellen?

Da es sich um ein berufsbegleitendes Studium handelt, kann grundsätzlich die bisherige Berufs- und Mitbestimmungstätigkeit in vollem oder ggf. reduziertem Umfang fortgeführt werden. Die Präsenzveranstaltungen, pro Monat ein Wochenende plus zwei Seminarwochen im Jahr, finden in den ersten Semestern im ver.di-Bildungszentrum Mosbach in Baden-Württemberg statt. Für das Selbststudium wird umfangreiches Material angeboten, dessen Bearbeitung bei den Präsenzseminaren vor- und nachbereitet wird. Mentoren werden die Studierenden bei der Organisation ihres Lernprozesses unterstützen. Das Studium besteht aus Modulen des Grundlagenwissens (BWL, VWL), der überfachlichen Qualifikation (English and Intercultural Skills, Projektmanagement, kommunikative Kompetenz) und der Spezialisierung (von Personalmanagement über Marketing und Online-Business bis zu Wertschöpfung und Qualitäts-, Innovations- und Changemanagement). Mit unterschiedlichen Prüfungsformen werden ECTS-Punkte erworben, die am Ende zum Bachelor führen, wie an jeder Hochschule. Bei entsprechenden Voraussetzungen sind für die Studierenden Stipendien durch die Hans-Böckler-Stiftung denkbar.


Treten Sie mit dem Studium nicht in Konkurrenz zur bisherigen gewerkschaftlichen Bildungsarbeit?
Im Gegenteil. Wir ergänzen das bisherige Angebot um einen Teil, den es noch gar nicht gibt. Die AbsolventInnen werden in einer Tiefe und Breite qualifiziert, die mit dem traditionellen Angebot einfach nicht erreicht werden kann, und dadurch wird die Qualität der Arbeitnehmervertretung in Betrieben und Verwaltungen gesteigert. Wenn darüber hinaus für Gewerkschaftsseminare ECTS-Punkte vergeben werden können, werden diese aufgewertet und noch attraktiver. Für bildungsfreudige Gewerkschaftsaktive gibt es mit dem Studium an der SCU nicht nur die Möglichkeit, sich für neue Herausforderungen fit zu machen, mit dem akademischen Abschluss wird auch eine Lebensleistung anerkannt - und die Anerkennung kann sich sogar in Form einer besseren Entgeltstufe zeigen.


Weitere Informationen zur SCU Business School finden Sie unter www.scu-business-school.de

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